1.3 Abhilfe-Maßnahme 3: NTC-Widerstand
Aug 7th, 2010 by Stefan Fassbinder
Statt des Temperaturschalters lässt sich auch ein NTC-Widerstand (negative temperature coefficient) zur Regelung des Lüfters verwenden. Damit ergibt sich statt eines Sprungs vom ausgeschalteten zum eingeschalteten Zustand und umgekehrt ein sanfter Übergang. Der NTC wird ebenfalls – unter Einsatz eines Isolierschlauchs oder sonstigen Isoliermaterials – am Kühlblech angebracht und mit dem Lüftermotor in Reihe geschaltet. Der NTC dient so gleichzeitig als Sensor und als Leistungsregler. Er erwärmt sich mit seiner Umgebung, und sein Widerstand fällt, bis der Lüfter anläuft. Die Stromaufnahme kleiner Lüfter ist so gering, dass es zu keiner großen Eigen-Erwärmung des NTC kommt, schon gar nicht in Kombination mit Methode 1 an 5 V statt 12 V. Für größere Lüfter lässt diese Methode sich mit der zweiten kombinieren, indem man einen Schalter und einen NTC in Reihe vor den Lüfter schaltet. Dann läuft der Lüfter sehr sanft an, wenn sich der Schalter einschaltet, und beschleunigt seinen Lauf ganz allmählich – so wie es von der auf der Hauptplatine eingebauten Elektronik zur Regelung des Lüfters eigentlich erwartet würde (die bei modernen Hauptplatinen heute schon mit Pulsbreitensteuerung arbeitet). Ein Problem ist dabei allerdings die Ermittlung des richtigen Werts für den jeweiligen Motor. Hier hilft nur Versuch und Irrtum. Werte von 220 W für große bis 1000 W für kleine Lüfter (Nennwert bezogen auf 20°C) haben sich bewährt.
Im vorliegenden Fall wurden alle drei Methoden in Kombination auf einen großen, in der Rückwand des PC eingesetzten Lüfter angewandt. Dieser bleibt daher nach dem Einschalten des Computers etwa 15 bis 30 Minuten lang still stehen, läuft dann ganz langsam an und verharrt auf einer so niedrigen Drehzahl, dass kein Geräusch zu hören ist. Sowohl der Temperaturschalter als auch der NTC-Widerstand sind in dem CPU-Kühlkörper untergebracht, der daraufhin waagerecht von einer sanften Brise beblasen wird. Das ist auch gut so, denn intelligenterweise hat man den Kühlkörper so angeordnet, dass die Kühlrippen waagerecht liegen – gerade als müsse der Beitrag natürlicher Konvektion so klein wie möglich gehalten werden, damit man zwar einen Kühlkörper, zusätzlich aber auch noch ordentlich viele Lüfter verkaufen kann.
Dieser Gehäuselüfter war segensreicherweise schon serienmäßig mit sehr weichen Silikon-Stecknippeln befestigt, was die Neigung zu Geräuschen stark dämpft. Allerdings musste er umgedreht werden, um nicht »gegen den Strom« zu arbeiten, denn er blies von innen nach außen. Ebenso saugte der Lüfter im Netzteil Luft aus dem PC heraus – die natürlich durch das große Gitter des Gehäuselüfters angesaugt wurde. Das Anlaufen des Gehäuselüfters arbeitete also gemäß dem beim Kauf im Rechner vorhandenen »Kühlkonzept« gegen den Strom und hemmte die Belüftung sowohl des Prozessors als auch des Netzteils. Deutlicher kann man nicht veranschaulichen, dass Lüfter einfach nur eingebaut werden, um über die reine Anzahl und das Geräusch die Illusion eines leistungsstarken Rechners zu vermitteln. Nicht, dass der Rechner schwach gewesen wäre. Insbesondere der Ersatz der Festplatte durch ein neueres Modell half ihm gewaltig auf die Sprünge. Die Illusion bestand vielmehr darin, die gute Rechenleistung habe etwas mit der lautstarken Belüftung zu tun.
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