Feed on
Posts
Comments

Sicherheit geht vor. Eine Vorschrift sagt deshalb, dass eine Elektrolokomotive komplett abgeschaltet, also auch der Stromabnehmer abgezogen werden muss, wenn ein Zug an- oder abgekuppelt wird, denn hierbei muss auch die Stromversorgung aus der Lok für den Zug hergestellt bzw. unterbrochen werden. Deswegen wird die Lok für diesen Moment komplett ausgeschaltet, und da man den Knall zwar deutlich hört, den Hauptschalter aber nicht sieht und die aktuelle Stellung also von außen nicht erkenntlich ist, wird darüber hinaus deutlich sichtbar der Bügel abgezogen.

Damit den Passanten auf dem Bahnsteig selbst dann nicht Übles widerfährt, wenn einmal ein Fahrdraht reißen und im Spannung führenden Zustand herunter fallen sollte, wollen es die Vorschriften, dass alle Metallteile in der Nähe elektrifizierter Bahn-Anlagen geerdet werden (Bild 7). Dies bedeutet, dass diese Teile letztlich an die Schienen und somit an die Rückleitung des Stroms angeschlossen werden (Bild 8). Sollten sie nun mit der Fahrleitung in Berührung kommen, so würde dies einen Kurzschluss darstellen. Dies bedeutet, dass der Strom einen wesentlich kürzeren Weg zurück zur Quelle findet als den halbwegs mühsamen durch die Drahtwindungen der Lok. Der Strom wäre dadurch deutlich größer als der Nennstrom der betroffenen Anlage und würde die Sicherung »schmeißen«. Damit wäre die Fehlerstelle innerhalb von Millisekunden frei von der gefährlichen Spannung.

Bild 7

Bild 7: Alle Metallteile im Bereich von Fahrleitungen der Bahn werden geerdet, was hier bedeutet…

Bild 8:

Bild 8: …sie werden mit dem Stromrückleiter, der nächstgelegenen Schiene, verbunden

Doch auch im regulären Betrieb könnten sich isolierte Metallteile durch induktive und kapazitive Einflüsse durch die Fahrleitungsspannung aufladen. Erdung und Potenzialausgleich gewährleisten, dass berührbare Metallteile stets nahezu gleiches elektrisches Potenzial aufweisen und so unter keinen Umständen gefährliche Spannungen führen können.

Etwas risikofreudiger ist man gegenüber Tieren. So erfährt der Begriff »Taubenschlag« bei der Bahn eine ganz neue Dimension (vgl. auch Abschnitt 5.3): Gern spazieren die ahnungslosen Tiere auch auf den Dächern der metallenen Wagenkästen von Elektroloks umher und wollen die obigen Ausführungen zu elektrischen Potenzialen und Potenzial-Differenzen einfach nicht wahr haben. Zu ihrem Unglück entspricht ihre Körperhöhe auch noch ungefähr der Länge der Isolatoren, auf denen die beiden Stromabnehmer und die Verbindungsleitung zwischen ihnen aufgeständert sind. Beim Unterqueren der Leitung kommt es dann zum »Taubenschlag« mit einem kräftigen Knall, einer Rauchwolke und ein paar stiebenden Federn. Bei allen Parallelen, aber wie Schlaraffenland wirkt das nicht gerade. Vielleicht opfert man diese von den Reisenden mehrheitlich doch eher als lästige Plagegeister empfunden Kulturfolger auch ganz bewusst als abschreckende Beispiele für waghalsige Jugendliche gegen vermeintliche Mutprobe-Manöver auf S-Bahn-Dächern. Es bildet sich ein so genannter Störlichtbogen, ein Beinahe-Kurzschluss, der also zum Auslösen des Überstromschutzes führt. Anschließend wird eine Prüfspannung aufgeschaltet um zu sehen, ob die Störung noch besteht. Ist sie, wie in den meisten Fällen, durch den Stromfluss verschwunden (»freigebrannt«), wird nach 5 s die Betriebsspannung teils manuell, teils automatisch wieder zugeschaltet. Danach ist wieder alles wie vorher – außer für die Taube. Auf freier Strecke verursachen gelegentlich größere Vögel entsprechende Störungen, mit denen dann ebenso verfahren wird.

Leave a Reply

You must be logged in to post a comment.