7.3 Zuverlässigkeit elektronischer Vorschaltgeräte
Feb 26th, 2009 by Stefan Fassbinder
Es gibt kaum quantitative Zuverlässigkeits-Auswertungen von EVG. Eine Quelle spricht von einer Ausfallquote unter 2% je 1000 Betriebsstunden. Das klingt gut, bedeutet aber für eine Verkaufsstätte mit 3000 Betriebsstunden im Jahr immer noch 6% Ausfälle im Jahr. Im Dauer-Betrieb, etwa in U-Bahn-Anlagen, bedeutet dies schon jährlich mehr als einen Ausfall je 6 Stück. Eingedenk dessen mutet es schon etwas befremdlich an, diese Zahl ausgerechnet in einer Quelle zu finden, die sich für den Einsatz von EVG stark macht.
Es mag kaum spektakulär wirken, wenn Hersteller bestimmter, weiter unten betrachteter, nur zusammen mit induktiven Vorschaltgeräten nutzbarer Anlagen an den EVG kein gutes Haar lassen. Wohl aber ist es der Frage wert, warum neutrale Sachverständige, Gutachter und zusehends mehr Betriebstechniker beim Einsatz von EVG ernsthafte Bedenken haben. Der Einsatz von EVG ist aus heutiger Sicht unausweichlich, wenn Spitzentechnik wie Dimmung gewünscht werden, da, wie erwähnt, die verfügbaren Dimmtechniken für induktive Vorschaltgeräte heutigen Ansprüchen von Funktionalität und Komfort wie etwa in Konferenzzentren nicht mehr genügen. Für die gewöhnliche »Flächen-Beleuchtung« in Warenhäusern, Supermärkten, durchschnittlichen Büros, U-Bahn-Anlagen, Schulen, in der Industrie und besonders in EMV-kritischen Bereichen oder unter extremen Temperaturen oder mechanischen Schwingungen stellen VVG der jeweils besten verfügbaren EEI-Klasse (siehe Abschnitt 8.2) die optimale Wahl dar. Ihre Ausfallraten liegen in fast jeder Umgebung nahe null, solange die angegebenen Umgebungstemperaturen einigermaßen eingehalten werden, während, wo viel Elektronik eingebaut wird, auch viel Elektronik ausfallen kann. Wie Ironie des Schicksals brach es über die Teilnehmer einer Konferenz über Netzprobleme in einem großen, modernen Brüsseler Konferenz-Gebäude herein, als die komplizierte Lichtsteuerung außer Kontrolle geriet und das Licht eine um die andere Minute abschaltete. Die Hausverwaltung brachte dies mächtig in Verlegenheit, und sie erließ zum Ausgleich für die entgangene Funktionalität dem Veranstalter die Hälfte der Saalmiete. Dieser finanzielle Schaden mag etwa dem Strom-Verbrauch von 1000 Konferenzen und der mit Hochtechnologie-Beleuchtung, sofern funktionstüchtig, erzielbaren Ersparnis von 4000 Konferenzen entsprechen. Natürlich ist die Energie-Ersparnis nicht der vorrangige Grund zum Einsatz solcher Hochtechnologie in solchen Räumen. Vielmehr liegt der im Vorhalten der Möglichkeit jedes nur erdenklichen Beleuchtungs-Szenarios für wahrhaft alles, was wohl jemals jemand in einem Konferenzraum vorhat. Dennoch – oder gerade deshalb – dürfte die Rufschädigung eines solch peinlichen Vorkommnisses erheblich schwerer wiegen als die einer nicht so komplizierten, weniger eindrucksvollen, weniger vielseitigen Technik, die dafür aber funktioniert.
Ein Vorteil der EVG liegt darin, dass zumindest die meisten von ihnen an jeder vorkommenden Frequenz bis hin zur Gleichspannung funktionieren. Das kann man von einem induktiven Element natürlich nicht erwarten. Zufällig funktioniert zwar ein europäisches VVG für 58 W, 230 V und 50 Hz auch an einem nordamerikanischen Büronetz mit 277 V und 60 Hz, doch ist es reine Glückssache, dass es in diesem einen Fall eben gerade so hinkommt. So wird der Einsatz von EVG (bzw. KLL) beispielsweise dort erforderlich, wo eine Notlicht-Anlage normalerweise vom Netz, bei dessen Ausfall jedoch aus einer Gleichstromquelle gespeist wird.
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