Kabel und Leitungen
Jan 22nd, 2009 by Stefan Fassbinder
Wie heiß muss ein Kabel mindestens werden? Wenn man Elektroplanern beim Planen nur flüchtig zuhört, möchte man manchmal meinen, die Temperatur-Grenzwerte in den VDE- und IEC-Bestimmungen seien keine Ober- sondern Untergrenzen. Hört man genauer hin, so stellt sich dies natürlich als falsch heraus. Wohl aber erkennt man ein Bestreben, möglichst nahe an diese Obergrenzen heran zu kommen.
Dies liegt am Preisdruck, der nur allzu oft fälschlicherweise als Kostendruck bezeichnet wird. Sparen lässt sich so nur am Material-Einkaufspreis, wenn sich bei genauem Nachrechnen herausstellt, dass ein um eine Nummer kleinerer Leiterquerschnitt soeben noch ausreicht. Hört der Planer dann von neuen Isolierstoffen, die eine höhere Betriebstemperatur erlauben, nennt er diese »besser«, denn er kann unter Umständen noch einmal eine Stufe abknappsen – und greift dankbar zu, selbst wenn der teurere Isolierstoff die ohnehin schon fragwürdige »Einsparung« am dünneren Kabel noch einmal schmälert. Die Kosten für diese Sparsamkeit werden nicht hier und jetzt vom Errichter oder Planer, sondern später im laufenden Betrieb und vom Anlagennutzer bezahlt, dafür aber in vielfacher Höhe. Wie so oft treten diese Kosten jedoch nirgends auf einem Stück Papier sichtbar in Erscheinung, anders als der viel kleinere Preis des Kabels, der erst im Angebot und dann auf der Rechnung des Auftragnehmers auftaucht oder zumindest darin enthalten ist. Das ist »unlauterer Wettbewerb der zweiten Art« – und dies mit zwar oft unentdeckten, aber nichtsdestoweniger bitteren Folgen. In aller Regel nämlich übersteigen diese durch ohmsche Verluste im Kabel im Lauf der Jahre angehäuften Kosten die Einsparung beim Material um ein Mehrfaches!
Es lässt sich relativ einfach nachrechnen: Wenn sich für einen bestimmten Anwendungsfall je nach dem höchsten vorkommenden Belastungsstrom, der Umgebungstemperatur, der höchstzulässigen Temperatur des Isolierstoffs, der Verlegeart und der Leitungshäufung nach VDE 0298 ein erforderlicher Querschnitt von z. B. 10 mm² ergibt, so ist diese Leitung nach 10 Jahren Dauerbetrieb in den Gesamtkosten teurer als hätte man von vornherein 50 mm² gewählt!
Und ob nun auf Papier manifestiert oder nicht – bezahlt werden müssen diese unnötigen, vermeidbaren Kosten dennoch, und das werden sie auch. Mit der Stromrechnung, jeden Monat wieder.
Möchten Sie mehr dazu erfahren? Dann sehen Sie einmal hier nach!
|
◄
|
►
|

